Digitalisierungsstrategie? Nur mit etablierter Unternehmenskultur

Was schätzen Sie, wie viele produzierende Unternehmen in Deutschland sind bereits digitalisiert?

Wer vor 30 Jahren in Großbritannien durch die großen Einkaufsstraßen lief, wird das Unternehmen sicher kennen. Zu dieser Zeit erschloss HMV einen Marktanteil von 40% in der Plattenindustrie.

Die Revolution der POP Musik machte HMV in den 60ern zu einem aufstrebenden Unternehmen. Es eröffnete seinerzeit einen Laden nach dem anderen. Diese Erfolgsgeschichte reichte weit in die 90er. Bis dorthin eröffneten weltweit 320 Geschäfte, davon ein Drittel allein in Großbritannien.

2002 ging das Unternehmen an die Börse und wurde mit einer Milliarde Pfund bewertet.  Vier Jahre zuvor fing AMAZON an CDs online und zum Runterladen anzubieten. Gleichzeitig erschlossen immer mehr Billiganbieter den Markt. Es herrschte große Skepsis unter den Analysten in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Online Marktplätze wie AMAZON wurden immer größer und standen unter dem hell leuchtenden Stern des Erfolges.

Entgegen allen Anzeichen hielt die Geschäftsführung am bisherigen Geschäftsmodell fest. Diese kaufte nach und nach die bereits finanziell wacklige Konkurrenz auf und betrieb bis 2008 mehr als 600 Geschäfte.

Das Top Management des Plattenriesen tat die Online Marktplätze als „Modeerscheinung“ ab. Erst 2010 versuchte das angeschlagene Unternehmen nachzuziehen. Doch es war bereits zu spät. Die Ignoranz des Managements gipfelte 2013 im Konkurs.

Eskalierendes Commitment

Diese Geschichte ist das Paradebeispiel dafür, was die Managementliteratur als „eskalierendes Commitment“ beschreibt: Das zu lange Festhalten an einer ehemals erfolgreichen Strategie.

Auch in anderen Bereichen des Unternehmens findet sich dieses Verhalten wieder. Eine gängige Aussage, die wir immer wieder vom Top-Management hören: „Wenn wir die Jungs und Mädels ausbilden, dann sind die schneller weg als wir gucken können“.

Stellen Sie sich vor: Die werden nicht trainiert und bleiben!

Die Menschen neigen dazu, an einmal eingeschlagenen Kursen festzuhalten, auch wenn es absolut irrational ist.

Hält zum Beispiel die Unternehmensführung hartnäckig an einer damals einmal eingesetzten Personalentwicklung fest, welche heute als veraltet gilt, so handelt es sich wahrscheinlich um „eskalierendes Commitment „.

Die vier Stadien der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie

Und will das Management von heute auf morgen eine Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie, so sollte diese am besten schon gestern ausgerollt sein. Sie verkennen dabei oft, dass vier Stadien im Unternehmen durchlaufen werden müssen.

  1. Lernkultur
    Dabei beginnt alles mit der richtigen Lernstrategie. Oder besser Lernkultur. Damit öffnen wir unsere Mitarbeiter für neue Dinge. Wir zeigen ihnen, dass neues nützlich sein kann, ihnen beim Alltag hilft und schaffen eine Basis für den nächsten Schritt.
  2. Fehlerkultur
    Fährst Du als Manager in Deutschland den Karren an den Baum, ist die Karriere vorbei. In Amerika hingegen gehört es schon fast zum guten Ton noch einen zweiten Versuch zu bekommen. Mitarbeiter trauen sich hierzulande oft gar nicht über ihre Fehler zu sprechen. Das Ergebnis: Die gleichen Fehler werden ständig wiederholt.
  3. Innovationskultur
    Wenn wir beide Schritte erfolgreich im eigenen Unternehmen etabliert haben wird es spannend. 3M ist ein Paradebeispiel für die Innovationskultur. Dieser Mischkonzern gestattet seinen Mitarbeitern 15% ihrer Arbeitszeit in eigene Ideen investieren zu können. Wenn sie möchten. Damit legt 3M stets neues Brennholz in den Ideenofen und sichert sich damit immer wieder die Poleposition am Markt.
  4. Digitalisierung der Prozesse
    Erst jetzt sind wir dort wo wir gestern hätten sein sollen. Nun fangen wir an Prozesse zu digitalisieren. Unsere Mitarbeiter haben durch die vorangegangenen Schritte eine solide Grundlage, auf der wir weiter aufbauen können.

Wenn wir uns die neueste Studie des Fraunhofer Instituts anschauen, dann sind 49% der deutschen produzierenden Unternehmen zu 0% digitalisiert.

Es reicht einfach nicht den Herd Marke Unternehmenskultur nur unten an die Straße zu stellen. Als Geschäftsleitung müssen wir ihn in die Küche tragen, installieren und anfangen mit unseren Mitarbeitern zu kochen! Und zwar mehrmals! Bis sich die neue Kultur etabliert hat.

Möchten Sie wissen, wo Ihr Unternehmen aktuell im Digitalisierungsprozess steht? Fordern Sie hier ihr kostenfreies Beratungsgespräch an: https://www.anabiko.com/wo-stehen-sie/

Bildquelle: Adobe Stock – stockpics

 

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