Weiterbildung

30 Milliarden Euro pro Jahr in erfolglose Weiterbildung verbrannt?

Rund 84% der deutschen und österreichischen Unternehmen verbrennen im Jahr mehr als 30 Milliarden Euro.

Zumindest wenn es um das Thema Weiterbildung geht, beschreibt es Prof. Dr. Axel Koch, Autor von „Die Weiterbildungslüge“ und Professor für angewandtes Management in Erding. Zugegebenermaßen ein wenig überspitzt, wie er selber sagt.

Dennoch, Weiterbildung in Unternehmen verflüchtigt sich wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus (Vergessenskurve) beschrieb nach einigen Versuchen, dass wir 20 Minuten nach dem Lernen wir nur noch 60% des Gelernten abrufen können. Nach einer Stunde nur noch 45% und nach einem Tag gar nur noch 34%. Sechs Tage nach dem Lernen wiederum ist das Erinnerungsvermögen bereits auf 23% geschrumpft; dauerhaft werden nur 15% des Erlernten gespeichert.

Sollten wir einfach warten, bis wir uns Chips einsetzen können?

Nein. Ebbinghaus erntete viel Kritik, weil Vergessen abhängig von der Art des zu lernenden Stoffes ist. Beispielsweise kann der Mensch sich meist besser an Wortpaare wie fremdsprachige Vokabeln als an zufällige, sinnlose Silben wie Ebbinghaus sie gewählt hat erinnern. Ein Kleinkind zum Beispiel lernt alle 30 Minuten ein neues Wort. Dabei spielt vor allem auch die Motivation eine große Rolle. Lerne ich aus Interesse, merke ich mir Dinge einfach viel besser, weil ich sie mit vorhandenem Wissen und Bildern verknüpfe.

Zurück zum Thema, wie viel setzen meine Mitarbeiter denn in der Praxis wirklich um?

In einem Seminar mit zwölf Teilnehmern gelingt es im Schnitt nur zwei Teilnehmern das Erlernte in den Alltag teilweise mit zu integrieren. Acht versuchen das Gelernte anzuwenden und scheitern. Und zwei verweigern und probieren es erst gar nicht.

Auch die Universität St. Gallen dokumentiert seit über 10 Jahren diese Misere der Weiterbildungsindustrie. Die Bildungsmaßnahmen sind schlicht und einfach nicht Praxiswirksam.

Woran liegt das? Kann Training einfach nicht mehr?

„Trainer sind wie Helikopter, wirbeln erst viel Staub auf, fliegen wieder weg, und der Staub legt sich nach ein paar Tagen wieder“ so beschrieb es der Verkaufstrainer Martin Limbeck einmal.

Lernen ist abhängig von vielen Faktoren. Einer der entscheidenden ist der Lehrer als Person und sein Trainingskonzept. Einmal etwas zu trainieren ist so effektiv wie der erste Wurf auf einen Basketballkorb, mit viel Glück trifft man.

In der Regel verhält es sich aber wie im Profisport. Um in bestimmten aber wichtigen Situationen wirklich gut zu sein, muss jahrelang trainiert werden. Genau hier können wir glücklicherweise auch den Vergleich zum Berufsleben ziehen. Wie ein Profisportler müssen wir nicht ständig von Grund auf neue Dinge lernen, es reicht sich auf die wirklich relevanten Prozesse zu konzentrieren. Denn ,ob wir wollen oder nicht, irgendwann sind wir gefangen in ständiger Wiederholung, die Frage ist nur ob sie sich in einem spannenden abwechslungsreichen Prozess abbildet oder eine nervenaufreibende Routine ist.

Also muss das Training immer wieder wiederholt werden?

Sicher haben Sie es als Teilnehmer oder Referent bereits erlebt: Sie haben einen genialen Seminartag hinter sich, Sie haben den entscheidenden Impuls bekommen und wissen, dass sich jetzt etwas verändern wird. Und genau das tut es auch.

Trainings unterliegen verschiedenen Faktoren, können viel bewirken, gar keinen Effekt haben oder gar unerwünschte negative Effekte haben. Drei entscheidende Faktoren fallen unter Experten immer wieder: Teilnehmer, Trainingsdesign und Organisation.

Bildquelle: Everypixel

1 Antwort

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.